„DigiTrans“ – Testregion Österreich-Nord für automatisiertes Fahren unter Einbeziehung von Digitalisierungs- und Logistikaspekten

DigiTrans

20.12.2016

Das Projekt DigiTrans des Automobil-Clusters der Wirtschaftsagentur Business Upper Austria erhielt Anfang Dezember den Zuschlag für eine vom Bund ausgeschriebene Sondierung im Rahmen des nationalen Aktionsplans „Automatisiertes Fahren“. Der Ausgangspunkt für das Projekt DigiTrans ist die Initiative Connected Mobility (www.connected-mobility.at) des Automobil- und IT-Clusters OÖ, deren Aufgabe in der Vernetzung von Unternehmen aus den Bereichen IT und Automobilindustrie im breiten Themenfeld „Smarte Mobilität“ liegt, um neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

DigiTrans fokussiert auf Bedarfe und Anwendungsfälle im Bereich der multimodalen Gütermobilität unter Einbeziehung von Digitalisierungs- und Logistikaspekten. Vorerst wird automatisiertes Fahren im Nutzfahrzeug- und Logistikbereich getestet. Dafür wird der Aufbau und Betrieb einer Testumgebung bestehend aus Forschungs- und Entwicklungsstruktur speziell in Bereichen wie Fracht- und Flughäfen, Industriegeländen und Logistik-Hubs vorangetrieben. Getestet soll zukünftig unter anderem am und um den Flughafen Linz/Hörsching sowie im Ennshafen werden. Das Kernkonsortium des Projekts bilden der Automobil-Cluster OÖ, die AIT – Austrian Institute of Technology GmbH, LOGISTIKUM Steyr - FH OÖ und IESTA - Institut für innovative Energie- & Stoffaustauschsysteme e.V., die die Sondierung bis Mai 2017 vorantreiben. In einem 3-stufigen Modell sollen im Rahmen des Projekts Business-Cases evaluiert werden:

 

  1. Virtuelle Simulation Bevor in der Praxis getestet wird, soll in einem virtuellen Szenario geprüft werden, wie die Systeme miteinander optimal kommunizieren können, wie Übergabesituationen von Straßen auf Betriebsgelände aussehen sollen und welche Schnittstellen wie zusammenarbeiten müssen.
  2. Test in gesichertem Bereich Am Beispiel „Ennshafen Kai 21“ wird auf Basis der virtuellen Ergebnisse ein gesicherter Testbereich aufgebaut. Hier werden frühestens 2018 erste Versuche mit nachgestellten Logistik-Szenarios erfolgen wie etwa das Rangieren von Sonderfahrzeugen oder autonome Umschlagvorgänge.
  3. Sicherer Betrieb in Betriebsgelände-Umgebung Erst nach erfolgreichen Ergebnissen aus der Testphase am Kai 21 wird der öffentliche Verkehrsraum in unmittelbarer Nähe von definierten Betriebsgeländen mit einbezogen und gewonnene Erkenntnisse auf andere Anwendungsbereiche transferiert.

Kick-Off-Veranstaltung am 2. Dezember 2016

Mit dem Ziel, im Zentralraum Linz – Wels – Steyr (Österreich Nord) die Möglichkeiten für eine Testregion für automatisiertes und vernetztes Fahren zu sondieren, startete das Projekt am Freitag, 2. Dezember mit einer Kick-Off-Veranstaltung im Ennshafen. Rund 45 interessierte Unternehmensvertreter sowie assoziierte DigiTrans-Projektpartner nahmen an diesem Workshop teil, um bereits erste konkrete Anwendungsfälle zu diskutieren bzw. identifizieren.

 

Anforderungen und Herausforderungen in der automatisierten Logistik

Anforderungen und Herausforderungen gilt es in vielerlei Hinsicht zu beachten, wie zum Beispiel bei der Anpassung des Automatisierungsgrades eines Fahrzeuges an die unterschiedlichen Situationen (z.B. beim Be-/Entladen), dem Lernen aus Unfallszenarien durch künstliche Intelligenz oder der Etablierung von neuen Schnittstellen zwischen Mensch und Technik in Verbindung mit der Schaffung von Akzeptanz der „Mensch-Maschine-Interaktion“. Nach Einschätzung der teilnehmenden Unternehmen ist „Mischverkehr“, also die Koexistenz von automatisiertem und Individualverkehr über einen langen Zeitraum hin realistisch – auch im Logistikbereich. Hier gilt es, geeignete technische Lösungen zu identifizieren, die die Nutzung und Speicherung von Logistikdaten und die Einbindung von autonomen Fahrzeugen möglich machen – insbesondere auch im Hinblick auf Datenschutzfragen. Für autonome Logistikkonzepte im Kommunalbereich gilt es, die speziellen Bedarfe bei der Nutzung von automatisierten Sonderfahrzeugen (z.B. bei der Straßenreinigung oder Schneeräumarbeiten) genauso mitzudenken, wie beispielsweise die zukünftige Nutzung von autonomen Fahrzeugen als Zustelldienste. Diese Art von Mischverkehr erfordert ein Um- und Weiterdenken im Verkehrsmanagement und zeigt gleichzeitig die enorme Wichtigkeit einer Testregion für autonomes Fahren auf – bietet sie doch eine Reihe von Chancen für zukünftige Mobilität.

 

Chancen im Bereich der automatisierten Infrastrukturnutzung

Neben der Steigerung der Effizienz sind mit Sicherheit auch niedrigere Energiebilanzen als enormer Nutzen zu sehen. Durch geringere Lärm- und Emissionsbelastung sowie ein verbessertes Transportangebot kann die Lebensqualität entscheidend verbessert werden und „Automatisierung“ als Verkaufsargument wertvoll werden lassen. Auch Forschungsinteressen werden sich weiterentwickeln und den Automatisierungsgrad im Bereich der Infrastrukturnutzung stetig verändern. Gleichzeitig bietet autonomes Fahren eine Plattform für neue Geschäftsmodelle, wie beispielsweise „Paketbutler“ in den Kommunen. Auch der Arbeitsmarkt wird sich nach Einschätzung der Teilnehmer durch den zunehmenden Automatisierungsgrad verändern – hier kann insbesondere die erforderliche Höherqualifizierung von Mitarbeitern im Logistikbereich genannt werden, vor allem im Bereich der Mensch-Maschine-Interaktion.

DigiTrans macht Oberösterreich zum „Reallabor“ für autonomes Fahren und bietet seinen Projektpartnern gleichzeitig eine optimale Testumgebung für ihre Entwicklungen.


Finanziert bzw. gefördert im Rahmen des Programms "Mobilität der Zukunft" durch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie:

Foto: Dipl.-Ing. Wolfgang Kurz

Dipl.-Ing. Wolfgang Kurz

Project Manager

Connected Mobility | Digital Transformation

Mobil: +43 664 88495292
Tel.: +43 732 79810-5088